In diesem Beitrag · 6 Lektionen
Ich habe dieses Unternehmen für mich gegründet. Ich wollte etwas aufbauen, mich beweisen, unabhängig sein. Acht Jahre später weiß ich: Das war der Anfang — aber nicht die Geschichte. Die eigentliche Geschichte begann in dem Moment, als ich aufgehört habe, an mich zu denken.
Am Anfang dreht sich alles um einen selbst.
2018. Ich starte Hauslieber in Nürnberg — als Mutter, als Unternehmerin, mit allem, was dazugehört. Kein großes Kapital, keine Branchenerfahrung, kein Netzwerk in Deutschland. Nur die Überzeugung, dass ich es besser machen kann — persönlicher, zuverlässiger, mit mehr Respekt für den Menschen, der den Service in Anspruch nimmt.
In dieser Phase ist ein Unternehmen fast immer eine verlängerte Version des Gründers. Meine Energie, meine Ängste, meine Entscheidungen — alles spiegelte sich direkt im Geschäft wider. Wenn ich zweifelte, stagnierte das Unternehmen. Wenn ich mutig war, wuchs es. Das ist nicht schlimm. Das ist so, wie es sein muss. Aber es ist auch eine Falle.
Wer zu lange im Modus „die Firma bin ich“ bleibt, merkt irgendwann: Er dreht sich im Kreis. Das Unternehmen kann nicht größer werden als die Person, die alles kontrollieren möchte. Und das Wichtigste: Es kann keine wirkliche Wirkung entfalten.
„Eine Firma, die nur dir gehört, kann nur so groß werden wie du selbst. Aber eine Firma, der du gehörst — die kann wachsen, ohne Grenzen.“
Der Moment, der alles verändert hat.
Es gab keinen einzelnen großen Wendepunkt. Es war eher ein langsames Erwachen — wie wenn morgens das Licht kommt und man irgendwann bemerkt, dass es hell ist, ohne sagen zu können, wann genau die Nacht aufgehört hat.
Irgendwann bemerkte ich, wie viele Menschen mir vertrauten. Nicht nur Kunden, die ihren Hausschlüssel hinterließen — das allein ist schon etwas Besonderes, wenn man wirklich darüber nachdenkt. Sondern auch Mitarbeiterinnen, die neue Kolleginnen mitbrachten. Die sagten: Hier ist es anders. Hier werde ich respektiert. Die trotz aller Krisen — und es gab einige — geblieben sind.
In diesem Moment hat sich etwas in mir verschoben. Ich sah plötzlich nicht mehr nur mein Unternehmen. Ich sah eine Gemeinschaft. Menschen, die etwas miteinander aufbauen. Und ich verstand: Ich bin nicht mehr die Empfängerin dieses Projekts. Ich bin im Dienst dafür.
„Früher war die Firma für mich. Dann wurde ich für die Firma. Das ist kein Verlust — das ist der Moment, in dem ein Unternehmen anfängt, wirklich zu leben.“
Was Vertrauen wirklich bedeutet.
Wir arbeiten in Privathaushalten. Das ist keine Kleinigkeit. Ein Mensch lässt Sie in sein Zuhause — in den Raum, der sein Privatestes ist. Wo er schläft, wo seine Kinder spielen, wo er weint, wenn es ihm schlecht geht. Das ist mehr als ein Auftrag. Das ist ein Versprechen.
Ich habe gelernt, dass Vertrauen nicht durch Versprechen entsteht. Nicht durch schöne Websites, nicht durch niedrige Preise, nicht durch bunte Flyer. Vertrauen entsteht durch Konsequenz — dadurch, dass man immer wieder dasselbe tut, auch wenn es unbequem ist, auch wenn niemand zuschaut.
Eine Mitarbeiterin, die pünktlich kommt, auch wenn es regnet. Die einen Fehler zugibt, ohne gefragt zu werden. Die ein zerbrochenes Glas meldet, bevor der Kunde es entdeckt. Das sind die Momente, in denen Vertrauen aufgebaut wird — nicht in Werbebroschüren.
Über Krisen und das, was bleibt.
Wir haben Krisen überlebt. Ich werde keine Details nennen — nicht weil ich sie verstecken möchte, sondern weil Krisen keine Helden brauchen, die darüber reden. Sie brauchen Menschen, die handeln.
Was ich sagen kann: In jeder schwierigen Phase war es nicht die Strategie, die gerettet hat. Es waren die Menschen. Mitarbeiterinnen, die nicht gegangen sind. Kunden, die angerufen haben, um zu fragen, ob alles in Ordnung ist. Partner, die Verständnis hatten.
Eine Firma, die nur auf Zahlen aufgebaut ist, überlebt keine echte Krise. Eine Firma, die auf Beziehungen aufgebaut ist, kann fast alles überstehen. Das ist keine romantische Idee — das ist das Einzige, was ich mit Sicherheit nach acht Jahren sagen kann.
„In einer Krise zeigt sich, was ein Unternehmen wirklich ist. Nicht was es verspricht. Was es ist.“
Dienen ist keine Schwäche. Es ist die stärkste Form von Führung.
Das ist die Lektion, die mich am meisten überrascht hat. Und die, für die ich am längsten gebraucht habe.
Ich bin nicht Unternehmerin geworden, um zu dienen. Ich wollte gestalten, entscheiden, erschaffen. Und das tue ich noch — aber die Richtung hat sich umgekehrt. Ich gestalte jetzt nicht für mich. Ich gestalte für das Team, für die Kunden, für die Gemeinschaft, die wir miteinander aufgebaut haben.
Ich frage mich bei jeder Entscheidung nicht mehr: Was bringt mir das? Ich frage: Was ist das Richtige für unsere Philosophie? Was ist gut für unser Team? Was macht das Leben unserer Kunden wirklich besser?
Das klingt vielleicht selbstlos. Aber in Wirklichkeit ist es das Gegenteil von Verlust. Es ist die Form der Selbstverwirklichung, die ich vorher nicht kannte — die, bei der man wächst, weil man anderen ermöglicht zu wachsen.
Was mich jeden Morgen antreibt.
Ich werde manchmal gefragt, warum ich das mache. Warum dieser Aufwand, diese Komplexität — mehrere Standorte koordinieren, ein Team führen, Mutter sein, und dabei nie den Faden verlieren, worum es eigentlich geht.
Die ehrliche Antwort: Weil ich weiß, was auf der anderen Seite unserer Arbeit passiert.
Eine Mutter, die am Freitagabend nach Hause kommt und nicht putzen muss. Die stattdessen mit ihren Kindern auf dem Boden sitzt. Ein älterer Herr, dem das Treppensteigen schwerfällt und der trotzdem in einem sauberen, würdevollen Zuhause leben kann. Eine Frau, die nach einer Operation nicht darum kämpfen muss, wer ihr beim Haushalt hilft.
Das ist kein Marketing. Das sind echte Menschen, echte Momente. Und jedes Mal, wenn unser Team seinen Job gut macht, entsteht einer dieser Momente. Dafür stehe ich morgens auf.
„Ich habe gelernt, dass man sich selbst am besten verwirklicht — indem man aufhört, nur an sich selbst zu denken.“
Acht Jahre. Viele Fehler. Viele Momente des Zweifels. Und eine wachsende Überzeugung: dass ein Unternehmen, das wirklich für andere da ist, das Stärkste ist, was man aufbauen kann.
Wir sind noch nicht am Ziel. Wir wachsen, wir lernen, wir verbessern uns jeden Tag. Aber die Richtung stimmt. Und das ist alles, was man wirklich braucht.
Dzhemma Marandyan
Gründerin & Geschäftsführerin, Haushaltsservice Hauslieber GmbH · Nürnberg