Gründergeschichte · 5 Minuten Lesezeit

Der erste Kunde.
Und ein Einkaufswagen voller Hoffnung.

Dzhemma Portrait V1
Dzhemma Marandian
Gründerin & Geschäftsführerin · Hauslieber
Dzhemma Marandian, Gründerin und Geschäftsführerin von Hauslieber
Dzhemma Marandian
Gründerin & Geschäftsführerin von Hauslieber

Ich weiß noch genau, wie es sich angefühlt hat. Die Nachricht kam über ein Kleinanzeigenportal — jemand hatte mein Inserat gesehen und wollte einen Termin. Ich hatte damals keine Ahnung, dass daraus einmal Hauslieber werden würde. Ich wollte einfach nur anfangen.

Zu dieser Zeit arbeitete ich abends in der Lobbybar eines Hotels. Morgens schrieb ich Konzepte, verglich Wettbewerber, dachte über Farben nach, über Reinigungsmittel, über Abläufe. Nicht weil ich plante, eine Firma aufzubauen — sondern weil ich etwas schaffen wollte, das mir gehört. Etwas, das wächst.

Als die erste Anfrage kam, hatte ich noch keine einzige Flasche Reinigungsmittel gekauft. Ich dachte: So schnell wird das schon nicht passieren.

Es passierte sehr schnell.

Die Präsentation, die drei Häuser gewann.

Wir vereinbarten eine Beratung vor Ort. Ich bereitete mich vor, als wäre es das wichtigste Gespräch meines Lebens — wahrscheinlich war es das auch. Ich erklärte unsere vier Unternehmensfarben, unser System, unsere Reinigungsmittel, unsere Einarbeitungsphilosophie. Alles durchdacht, alles mit echtem Herzblut präsentiert.

„Die Kundin sprach danach mit ihren Nachbarinnen. Noch am selben Tag wollten zwei weitere Häuser auf derselben Straße unsere Kunden werden.»

Drei große Häuser. Eine Straße. Ein einziges Gespräch.

Ich hatte nicht damit gerechnet. Aber ich hatte mich so vorbereitet, als würde ich damit rechnen.

Was ich in diesem Moment verstanden habe: Menschen wählen keine Reinigung. Sie wählen eine Person. Sie wählen Vertrauen. Sie wählen jemanden, dessen Augen leuchten, wenn er über seine Arbeit spricht — weil sie spüren, dass dieser Mensch wirklich will, dass es gut wird.

„Kunden wählen keine Dienstleistung. Sie wählen den Menschen dahinter.»

100 Euro. Und das größte Glücksgefühl.

Nach der Beratung fuhr ich sofort in den Laden. Ich hatte noch keine Reinigungsmittel, keine Tücher, keine Bürsten — nichts von dem, was ich gebraucht hätte. Ich kaufte alles, was meine Augen sahen: die besten Bürsten, die es gab, die richtigen Mittel, Tücher in allen Größen.

Ich gab 100 Euro aus. Für mich damals eine beträchtliche Summe — ich startete das Unternehmen mit minimalem Kapital, nebenbei arbeitend, Abend für Abend im Hotel.

Aber dieser Einkaufswagen war für mich kein Ausgabe. Er war der Beweis, dass es losgeht.

Ich gab 100 Euro aus — für mich damals wirklich viel. Aber was ich in diesem Moment gespürt habe, hatte nichts mit dem Geld zu tun. Jemand hatte mir vertraut. Hatte geglaubt, dass ich das kann. Das war meine erste echte Bestätigung — und ich wollte sie um jeden Preis verdienen.

Durch die Ecken gehen.

Beim ersten Einsatz war ich dabei. Ich hatte unsere erste Mitarbeiterin eingearbeitet — und ich ging durch jeden Winkel, prüfte jede Ecke, jeden Spiegel, jede Fläche. Nicht weil ich ihr nicht vertraute. Sondern weil ich wollte, dass es perfekt ist.

Nicht für den Kunden allein — auch für mich. Ich wollte wissen: Was wir versprechen, halten wir. Von Anfang an. Ohne Ausnahme.

Dieses Gefühl — diese Mischung aus Nervosität, Stolz und dem echten Wunsch, das Beste zu geben — ist geblieben. Acht Jahre später ist es immer noch da. Es hat sich nur vertieft.

Der erste Kunde war nicht der Beginn eines Unternehmens. Er war der Beginn einer Überzeugung: dass echtes Engagement Menschen bewegt — und dass man mit leuchtenden Augen weiter kommt als mit jedem Businessplan.

Dzhemma Marandian

Dzhemma Marandian · Gründerin & Geschäftsführerin, Haushaltsservice Hauslieber GmbH · Nürnberg