Was ich meiner Mitarbeiterin am ersten Tag gesagt habe
Wenn jemand neu zu uns ins Team kommt, fangen wir nicht mit dem Wischmopp an. Wir fangen mit einer Frage an.
Ich frage: „Warum glaubst du, kommen die Menschen zu uns?» Meistens lautet die erste Antwort: „Weil sie eine saubere Wohnung wollen.» Und das stimmt natürlich. Aber es ist nicht die ganze Antwort. Es ist nicht einmal die wichtigste.
Ich erkläre dann, was ich vom ersten Tag an gespürt habe, als ich Hauslieber aufgebaut habe: Wir bieten keine Reinigung an. Wir geben Menschen ihre Zeit zurück.
Die Familie am Samstagmorgen
Stellen Sie sich eine Familie vor. Zwei Erwachsene, drei Kinder. Unter der Woche: Arbeit, Kita, Schule, Termine, Einkaufen, Kochen, schlafen. Am Wochenende — endlich zwei Tage, an denen alle zusammen sind. Und dann steht man Samstagmorgen in der Küche und schaut auf das, was die Woche hinterlassen hat.
Man muss saugen. Wischen. Die Fenster putzen. Das Bad schrubben. Den Wäschekorb leeren. Und irgendwo dazwischen sollte man auch noch ein Vater, eine Mutter, ein Mensch sein — einer, der mit seinen Kindern spielt, nicht neben ihnen Staub wischt.
Das ist keine Werbung. Das passiert wirklich. Und wenn ich meinen Mitarbeiterinnen das erzähle, sehe ich, wie sich etwas in ihrem Blick verändert. Weil man auf einmal versteht: Das hier ist mehr als ein Job. Das ist ein echter Beitrag zu einem echten Leben.
Das verletzlichste Zimmer der Welt
Das Zweite, was ich am ersten Tag erkläre, ist schwerer zu fassen — aber es ist vielleicht das Wichtigste überhaupt.
Wir betreten das persönlichste, privateste Stück Welt, das ein Mensch hat. Nicht das Büro. Nicht den Besprechungsraum. Das Zuhause. Den Ort, an dem der Arzt aufhört, Arzt zu sein, und einfach Vater wird. An dem die Geschäftsfrau die Schuhe auszieht und wieder Frau, Mutter, Mensch ist. Das Zuhause ist der einzige Ort, an dem wir uns erlauben, unvollständig zu sein — und das ist genau das, was es so kostbar macht.
Und wir kommen da rein.
Das ist ein Vertrauensvorschuss, den ich nie als selbstverständlich betrachte. Jeder Mensch, der uns seinen Schlüssel gibt, sagt damit: Ich glaube, dass ihr sorgsam mit dem umgeht, was mir gehört — nicht nur mit dem Parkettboden, sondern auch mit der Fotografie auf dem Regal, dem handgeschriebenen Zettel auf dem Küchentisch, der Unordnung auf dem Nachttisch, die zeigt, wie jemand wirklich lebt.
Unsichtbar sein — und trotzdem da
Es gibt eine Fähigkeit, die ich bei Mitarbeiterinnen mehr schätze als Schnelligkeit oder Gründlichkeit: das Gespür für den richtigen Moment.
Zu spüren, wann man sich zurückzieht — wenn jemand im Wohnzimmer ein Telefongespräch führt, wenn ein Kind schläft, wenn jemand in der Wohnung einfach Ruhe braucht. Den Staubsauger wegzustellen und leise in die Küche zu wechseln. Das Bad zu übernehmen, während jemand im Schlafzimmer eine Auszeit nimmt. Kein Lärm, keine Störung, kein Gefühl, dass da Fremde in der Wohnung sind.
Das klingt nach einer kleinen Geste. Aber für den Menschen, der gerade erschöpft auf dem Sofa liegt und uns trotzdem kommen lässt, weil er weiß, dass wir ihn nicht stören werden — für den ist das alles andere als klein.
Wir nennen das intern manchmal „in Unisono sein». Nicht im Weg sein. Nicht aufdrängen. Aber auch nicht verschwinden, wenn man gebraucht wird. Eine gute Mitarbeiterin bei Hauslieber liest die Wohnung — und die Menschen darin — wie einen Text, den sie verstehen will.
Was nie aus dem Haus geht
Vertrauen ist langsam aufgebaut und schnell zerstört. Deshalb gibt es bei uns klare Regeln zur Verschwiegenheit — und die erkläre ich nicht als Pflicht, sondern als Haltung.
Was wir in einem Zuhause sehen, bleibt in diesem Zuhause. Die Bücher auf dem Nachttisch. Das Foto auf dem Kühlschrank. Das Gespräch, das wir zufällig mitgehört haben. Die schönen Dinge und die unschönen Dinge — nichts davon gehört uns. Es gehört denen, die dort leben.
Das klingt vielleicht selbstverständlich. Aber ich sage es trotzdem am ersten Tag. Weil Selbstverständlichkeiten manchmal erst dann wirklich ankommen, wenn man sie ausspricht.
Und wenn man nicht weiß, was man tun soll?
Das passiert. Immer wieder. Man steht vor einer Figur auf dem Regal und weiß nicht: Soll ich sie abnehmen und darunter wischen? Soll ich sie stehen lassen? Was, wenn ich sie beschädige?
Die Antwort, die ich gebe, ist immer dieselbe: Im Zweifel — fragen. Beim Kunden nachfragen, beim nächsten Mal ansprechen, oder das Gespräch beim Ersttermin führen. Nicht raten. Nicht hoffen. Fragen.
Und sich merken. Denn ein Kunde, der einmal erklärt hat, dass die Keramikvase vom Großvater stammt und deshalb besonders sorgsam behandelt werden soll — dieser Kunde möchte das kein zweites Mal erklären müssen. Wenn wir uns das merken, ohne daran erinnert zu werden, ist das kein kleines Zeichen. Das ist echte Aufmerksamkeit.
Warum ich das alles am ersten Tag sage
Ich könnte einfach eine Einweisung machen. Welches Mittel wofür. Wie man die Böden schont. Welche Reihenfolge in der Küche sinnvoll ist. Das alles ist wichtig — und das kommt auch.
Aber wenn jemand versteht, warum wir tun, was wir tun, dann trifft er auch in Momenten die richtigen Entscheidungen, für die es keine Anweisung gibt. Dann zieht man nicht den Staubsauger an, wenn jemand schläft — nicht weil es verboten ist, sondern weil man versteht, dass der Schlaf dieses Menschen wichtiger ist als der Teppich in diesem Moment.
Und dann ist man nicht mehr jemand, der putzt. Man ist jemand, der hilft. Das ist der Unterschied, den ich von Anfang an meine. Und der einzige, auf den es mir wirklich ankommt.
Alle, die heute bei Hauslieber arbeiten, haben dieses Gespräch geführt — manche schon vor Jahren, manche erst vor kurzem. Und ich glaube, dass es diesen Unterschied macht: nicht nur darin, wie wir arbeiten, sondern auch darin, wie sich unsere Kunden fühlen, wenn wir gehen.
Sauber ist das Mindeste. Aber das Gefühl, dass jemand wirklich aufgepasst hat — das ist das, wofür Menschen wiederkommen.
— Dzhemma Marandian, Gründerin Hauslieber